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Fräulein Draußen went for a bike ride
May 11, 2026
06:48
69.8km
10.3km/h
31.5km/h
150m
130m
ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ Wo einst über Jahrhunderte hinweg Viehtreiber, Handelsleute und ganze Heere den Weg von Viborg in Dänemark bis nach Wedel an die Elbe zurücklegten, kann man es ihnen heute auf zwei Rädern und unter (vermutlich) deutlich angenehmeren Bedingungen gleichtun.
Vor ziemlich genau zwei Jahren war ich schon mal auf dem Ochsenweg unterwegs. Nun bin ich wieder zurückgekehrt, um auch die Westvariante der rund 230 Kilometer langen Radroute zu fahren.
Beide Routen beginnen in Wedel direkt an der Elbe. Große Containerschiffe ziehen an mir vorbei, während ich nochmal die Taschen an meinem Rad festzurre. Bald darauf erreiche ich den Marktplatz von Wedel, wo einst wohl über 500 Jahre lang der Viehmarkt stattfand. Heute steht dort noch die große Roland-Statue aus Sandstein, die vermutlich um 1558 errichtet wurde und die verliehene Handels- und Marktrechte in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ochsenmarkt symbolisiert.
Hinter Wedel bin ich bald im Grünen, durch Baumschullandschaft geht es zu einem Ort, der mir schon beim letzten Mal besonders gut gefallen hat: die Holmer Sandberge sind eines der größten Binnendünengebiete Norddeutschlands.
Dann fahre ich mal über etwas holprigere Wege, mal über glatte Straßen bis nach Uetersen mit seinem bekannten Rosarium - eine Parkanlage, in der sich mehr als 900 verschiedene Rosensorten bewundern lassen (jetzt Anfang Mai sind aber noch keine Blüten zu sehen).
Spätestens hier muss man sich zwischen der West- und der Ostroute des Ochsenwegs entscheiden! Die östliche Variante führt weiter über Bad Bramstedt und Neumünster bis nach Rendsburg, während die westliche Route den Weg über Elmshorn und Itzehoe nimmt. Für mich beginnt nun also nach den ersten bekannten Kilometern, an die ich mich noch bestens erinnern konnte, Neuland.
Am Rand von Uetersen erreiche ich das Café “Langes Mühle”, welches sich im erhaltenen Sockel einer 1889 abgebrannten Windmühle befindet und ganz besonders charmant aussieht (aber leider geschlossen ist, als ich dort bin). Anschließend geht es über Land bis zur Liether Kalkgrube einige Kilometer vor Elmshorn.
Am Eingang zu dem Naturschutzgebiet kann man im Findlingsgarten während der Eiszeit von Skandinavien nach Norddeutschland verfrachtete Steinbrocken bewundern. Über einen kurzen Schotterweg gelange ich (zu Fuß) an den Rand der Grube: Der ehemalige Tagebau ist heute Naturschutzgebiet, in dem die ältesten Gesteinsschichten der norddeutschen Tiefebene sichtbar sind. Die rot leuchtenden und grauen Gesteine an den Grubenwänden sind rund 258 Millionen Jahre alt!
Am Liether Moor treffe ich auf eine Tafel mit Hörgeschichten zum Ochsenweg. Die Radroute an sich gibt es schon länger, in den letzten Jahren wurde aber viel dafür getan, sie auf verschiedene Weise zu verbessern und attraktiver zu gestalten. Teil davon sind auch diese kurzen Geschichten, die man online anhören und so mehr über den Weg und die Region, über Traditionen, historische Fakten und Kuriositäten erfahren kann: https://www.ochsenweg.de/geschichten-und-einblicke/hoergeschichten-vom-ochsenweg Eine schöne Sache, da der Reiz der Route ja nicht zuletzt gerade in seiner Historie und dem Landerleben liegt.
Hier kurz vor Elmshorn lerne ich zum Beispiel, dass 1863 in dieser Stadt 20.000 Menschen aus Schleswig-Holstein gegen die dänische Herrschaft demonstrierten. Die Spannungen führten wenig später zum Deutsch-Dänischen Krieg und schließlich zur Eingliederung Schleswig-Holsteins in Preußen. Und ich lerne, dass die Haferflocken der Firma Kölln aus Elmshorn kommen. (Zwei quasi gleich wichtige Informationen! 🙃)
Hinter Elmshorn wird die Route zwischenzeitlich etwas weniger idyllisch, ich radle meist entlang von Landstraßen in Richtung Itzehoe. Eigentlich würde die Route noch über Lägerdorf am Renaissance-Schloss Breitenburg vorbeiführen, aufgrund von Bauarbeiten muss ich aber eine Umgehung fahren. So verpasse ich auch einen kleinen Abschnitt entlang der schlängelnden Stör, der vom anderen Ufer aus ganz besonders schön aussieht. Auch vom Ufer bei Itzehoe gibt es aber tolle Blicke über die Flusslandschaft.
In Itzehoe fülle ich meine Vorräte auf und radle dann durch hübschen Wald die letzten Kilometer bis nach Oelixdorf. Hier wartet eine ganz besonders authentische Unterkunft auf mich: Die “Alte Kate” ist eines der ältesten Gebäude in Oelixdorf. 2005 stand es kurz vor dem Abriss, wurde bzw. wird aber durch einen extra gegründeten Verein Stück für Stück saniert. Noch ist das Projekt “work in progress”, eine der ehemaligen Wohnungen ist aber fertig und wird nun auch als Ferienwohnung vermietet. Die Wohnung ist wirklich wunderschön und gleichzeitig unterstützt man mit dem Verbleib dort den Erhalt des Gebäudes. Win, win!
🍟: Einkehrtipp - Café Langes Mühle in Uetersen (allerdings sehr eingeschränkte Öffnungszeiten)
🛌: Alte Kate Oelixdorf https://www.alte-kate-oelixdorf.de (Küche vorhanden, Verpflegung muss man aus Itzehoe mitnehmen)
Waypoints
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